Amphibienschutz

 

Helfer gesucht!

 

Wer mag mitmachen? Wir freuen uns über Menschen mit Herz für Frösche und Kröten, die beim Aufbau des Zaunes anpacken. Oder vielleicht möchten Sie die quakenden Hochzeiter in die Flitterwochen schicken?

 

Dann melden Sie sich bei Christian Lynen Tel. 02364 935330 oder Amphibien{at}NABU-HalternAmSee.de
Foto: NABU/Kathy Büscher


Warum brauchen wir Amphibienschutzzäune

Es ist ein ungleiches Wettrennen, das Frösche, Kröten und Molche alljährlich im zeitigen Frühjahr gegen Autos aufnehmen. Niemand hat die angefahrenen Tiere gezählt, und auch nicht jene, die platt wie Briefmarken auf dem Asphalt klebten, oder die wie Hackfleisch aussahen.

 

Der Amphibienschutzzaun an der Sythener Straße kann nicht alle Tiere schützen, und dem Gemetzel an der Holtwicker Straße versuchen Christa Haack und ihre Mitstreiter Abend für Abend             Foto: Jörg Gröger                                                           Einhalt zu gebieten. Seit kurzem gibt es auch am  

                                                                                              Stockwieser Damm freiwillige "Übergangshelfer" für Kröten.

 

                                                                                           Für alle  Amphibienwanderrouten gilt: Helfer                                                                                                                                     willkommen!                        

An vielen Straßen in Haltern lassen Kröte und Co ihr Leben, weil sie nichts anderes wollten, als ihre Art zu erhalten. Auch die Naturschützer vom NABU kämpfen gegen Windmühlen und schließlich lohnt sich der Einsatz. Allein an der Sythener Straße wurden in den vergangenen Jahren während jeder Wanderzeit Hunderte von Tieren gezählt. Die meisten davon waren Grasfrösche, daneben trugen die Helfer auch Kröten und Molche auf die andere Straßenseite.

Amphibien überlassen zumeist ihren Laich nach der Eiablage sich selbst. Über 3000 davon füllen bereits Ende März das Laichgewässer, um schon bald die jungen Kaulquappen aus der Eihülle zu entlassen. Sie ähneln zunächst noch mehr einem Fisch als einem Frosch.

In der ersten Zeit ernähren sich die Kaulquappen von winzigen Teilchen toter Pflanzen oder Kleinstlebewesen. Nach etwa 9 Wochen haben die Kaulquappen zwar noch den Schwanz, aber mit ihren

Foto: NABU/Kathy Büscher                                         Schwimmbeinen sind sie nun doch den erwachsenen Fröschen  

                                                                                              ähnlich, wenngleich viel kleiner. Sie bereiten sich nun auf das Leben an Land vor, Lunge und Verdauungstrakt werden an die neue Umgebung angepasst. Nun beginnen sie auch, Insektenlarven zu fressen. Wer Frösche in seinem Gartenteich hat, braucht sich um Mücken und viele andere lästige Krabbeltiere kaum Sorgen zu machen.

Im Juni, gibt es oft, insbesondere nach einem ausgiebigen Regen das Phänomen des "Froschregens". Die Kaulquappen, nun für das Landleben bestens ausgestattet, haben sich in Frösche verwandelt. Wie auf ein geheimes Zeichen verlassen tausende von winzigen Tieren, nicht größer als ein Fingernagel, die Gewässer - der "Froschregen" ist ein nur wenige Tage dauernes Ereignis. Hüpfend im nassen Gras möchte man meinen die Winzlinge "spritzen" wie Regentropfen. Die jungen Frösche machen sich auf die Suche nach einem Lebensraum, in dem sie erwachsen werden können um eines Tages zu ihrem Laichgewässer zurückzukehren.

Junge Amphibien sind stets in Gefahr gefressen zu werden. Molche, Fische oder Enten, ja selbst erwachsene Frösche, haben Eier und Jungtiere zum Fressen gern. Von den circa 3000 Eiern eines Laichballens erleben vielleicht 500 Tiere den ersten Winter, den sie in kleinen Höhlungen unter Steinen oder Wurzeln in Winterstarre verbringen. Füchse, Krähen, Greifvögel oder Eulen verschmähen auch die ausgewachsenen Amphibien nicht. Wenn die Frösche geschlechtsreif sind, also mit etwa 3 Jahren, leben nur noch 4 oder 5 Tiere aus dem Laichballen.

Foto: Katja Geilen                                                                Der Kreis schließt sich mit einer neuen Frühjahrswanderung  zum     

                                                                                                Laichgewässer. Männchen umklammern Weibchen, lassen sich von 

 Text: Carola De Marco                                                   ihnen tragen und warten auf die Eiablage um ihren Samen hinzu zu 

                                                                                                geben.


Bericht aus vergangenem Jahr

Es ist kalt, teilweise liegt Schnee, aber der Amphibienschutzzaun muss aufgebaut werden. Ende Januar machen wir den ersten Anlauf – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Sobald das Thermometer um 5 Grad herum anzeigt, wandern hunderte von Froschkönigen innerhalb weniger Tage zum Laichgewässer.

  

„Also bleibt es beim Samstag um 9 Uhr an der Sythener Straße am Schwarzen Weg,“ sagt Christian nun schon das ich-weiß-nicht-wievielte Mal ins Telefon. Seit Tagen telefoniert er allabendlich mit Eigentümern von Wald und Feld, mit Helfern, die den Amphibienzaun aufbauen, mit Leuten, die einen oder zwei Tage in der Woche den „Absammelplan“ erfüllen...

 

Ich kann das Wort Kröte und Frosch schon bald nicht mehr hören. Doch Christian schafft es auch in diesem Jahr wieder mit Engelsgeduld, die Amphibienfreunde unter einen Hut zu bekommen. Genug Leute zum Aufbau, ein paar Absagen wegen Krankheit,..., ich rechne nach, wieviel belegte Brötchen, Tee und heißen Apfelsaft wir brauchen.

 

Freitagabend – von wegen Feierabend! Für Ehrenamtliche fängt der Tag jetzt erst richtig an. Da heißt es Anhänger ausleihen und zur Biologischen Station fahren, wo unser Amphienzaun im Schuppen lagert. Mit Stirnleuchten krabbeln wir jedes Jahr in die Gitterboxen und fummeln die Eisen auseinander. Die verflixten Dinger verhaken sich stets ganz fies ineinander.

 

Am Samstag stehen wir wieder früh auf, hart für Morgenmuffel wie mich. Wie in jedem Jahr schlingen wir hastig ein Schnittchen hinunter und packen das Werkzeug auf den Anhänger. Ja nichts vergessen! NABU-Fahne, Thermoskannen, Brötchen, Trinkbecher... Und alle Jahre wieder schaffen wir es gerade so eben zur vereinbarten Uhrzeit am richtigen Ort zu sein.

 

In ein paar Stunden wird alles fertig sein. Dann sind wir müde, aber zufrieden. Die Amphibienwanderung kann los gehen. 

 

Text: Carola De Marco