Auf der Suche nach Libellen

Text und Bilder von Hermann Bergjürgen

Am 21. April 2016 habe ich mich auf den Weg gemacht, um zu sehen, ob ich evtl. Exemplare der Frühen Adonislibelle ausmachen kann und tatsächlich flog aber eine Großlibelle an mir vorbei. Bei ihr handelte es sich, wie es sich später herausstellte, um eine Nordische Moosjungfer. Einen Moment später habe ich aber die ersten Exemplare der Frühen Adonislibelle ausmachen können. Sie zählt zu den ersten Kleinlibellen, die in unseren Breiten schlüpfen. Im Anschluss einige Eindrücke der Frühen Adonislibelle, aufgenommen in unserem Garten.

 

 

Wenn Libellen schlüpfen, dann sind die Flügel und der Hinterleib noch auf die Größe und Länge der Nymphenhaut reduziert. Sobald die Libelle geschlüpft ist, sucht sie in der Regel einen sonnigen Platz auf, um sowohl Flügel als auch Hinterleib mit Flüssigkeit zu füllen. Dieser Vorgang kann sich über mehrere Stunden hinziehen und birgt so manche Gefahren für die junge Libelle. Die Witterung spielt eine wichtige Rolle. Ist es zu heiß und windig, dann droht die Libelle schnell zu trocknen. Regnet es und die Temperaturen sinken, dann kann die Libelle erfrieren. Ebenso können sie Räubern, wie Vögel oder Ameisen zum Opfer fallen.

 

 

Frühe Adonislibelle

Junge Adonislibelle: In zarten Pastellfarben und teilweise transparentem Hinterleib präsentieren sich die jungen Libellen.

 

Jugendliche Adonislibelle: Mit zunehmendem Alter werden die Farben immer intensiver, die Libellen bekommen praktisch ein „Jugendkleid“.

 

Ausgewachsene Adonislibelle: Beim ausgewachsenen Insekt werden die Farben noch intensiver und „satter“.

 



Späte Adonislibelle

Eine weitere Kleinlibelle zeigte sich am 12.07.2016. Späte Adonislibelle, Zarte Rubinjunfer oder Scharlachlibelle sind ihre deutschen Namen, der lateinische Name lautet Ceriagrion tenellum.

 

Der unverwechselbare Unterschied zur Frühen Adonislibelle sind die orangefarbenen Beine und hier bei dem Männchen der durchgehende rote Hinterleib. Bei diesem Exemplar ist ein Flügel evtl. durch Sonneneinstrahlung beschädigt aber es schränkt die Libelle anscheinend nicht ein.

 

Ein Weibchen der Späten Adonislibelle.

 

Der dunkle Punkt im Auge der Libelle ist die sogenannte Pseudopupille. In diesem Bereich ist die höchste Konzentration des Sichtfeldes.

 



Nordische Moosjungfer

Nordische Moosjungfer: Die oben erwähnte Moosjungfer hat sich dann auch noch bereitwillig ablichten lassen.

 

Hierbei handelt es sich um ein Jungtier, zu erkennen daran, dass die Färbung auf dem Hinterleib noch gelblich und nicht rot ist. Bei dieser Libelle handelt es sich um eine Nordische Moosjungfer, die in der Regel die früheste Moosjungfer in unseren Breiten ist.

 

"Ausgefärbtes" Männchen der Nordischen Moosjungfer.



Große Moosjungfer

Am 22.05.2016 tauchte eine weitere Moosjungfer auf, von der ich aber nur wenige Exemplare und auch nur Männchen entdecken und ablichten konnte.

 

Hier ist an der Drohhaltung der Flügel zu erkennen, dass es dem Männchen der Großen Moosjungfer nicht gefällt, das es sich den Binsenhalm mit dem Vierfleck über ihr teilen muss.

 

Unverwechselbares Erkennungszeichen der Großen Moosjungfer ist der gelbe Fleck auf dem Hinterleib.

 



Vierfleck

Eine weitere Großlibelle, die schon recht früh im Jahr unterwegs war, ist der Vierfleck.

Bei genauerem Hinsehen kann man erkennen, dass das vordere Beinpaar hinter dem Kopf angewinkelt ist.

Der obere Teil des Hinterleibes ist transparent, wodurch die Körpertemperatur bei Sonneneinstrahlung schneller ansteigt.

 



Gemeine Binsenjungfer

Über einen längeren Zeitraum habe ich keine Kleinlibellen gesehen. Anfang Juli tauchten dann die ersten von ihnen wieder auf. Diese Gemeine Binsenjungfer hat keinen Heiligenschein sondern einen Flügel der Halbmondschwebfliege auf dem Kopf, die sie gerade verspeist.

 

Dieses Paar der Gemeinen Binsenjungfer habe ich am 14.08.2016 fotografiert.

 



Große Pechlibelle

Am 24.06.2016 habe ich ein Paar der Großen Pechlibelle fotogarfiert und habe mich gefragt, was auf dem Hinterleib des Weibchens zu sehen ist. Mein erster Gedanke war, dass es sich um Parasiten handeln könnte.

 

Am 10.07.2016 zeigte sich des Rätsels Lösung. Bei dem Weibchen der Großen Pechlibelle war das komplette Abdomen (Hinterleib) aufgeplatzt und Eier traten hervor.



Deformationen und Missbildungen durch Umwelteinflüsse

Libellen sind mitunter Einflüssen ausgesetzt, die ihr Erscheinungsbild, Mobilität, Fortpflanzungsfähigkeit oder ihre Überlebensdauer sehr stark beeinflussen können.

 

Bei dieser Frühen Adonislibelle fehlt das rechte Vorderbein, was für sie zu einem Problem werden kann, da diese Libelle nicht in der Lage ist einen geschlossenen „Fangkorb“ mit ihren Beinen zu bilden. Kleine Fluginsekten, wie Blattläuse, können durch diese Lücke im Korb entweichen und die Libelle droht zu verhungern.

 

Wie es zu den Missbildungen kommen konnte, kann ich nicht sagen aber diese Frühe Adonislibelle war nicht überlebensfähig.

 

Dieses Weibchen der Gemeinen Federlibelle war ohne weiteres lebensfähig. Sie war in der Lage zu fliegen, Beute zu fangen aber zur Arterhaltung konnte sie leider nicht beitragen. Was die Ursache für diese Deformation war, ist nicht ersichtlich.